Erschütternde Bilder aus Thüringer Schweinezucht

„Es kann nicht sein, dass uns als Fraktion bei diversen Treffen immer wieder beteuert wird, dass den Tierhaltern das Tierwohl am Herzen liegt und Standards zur Tötung von Ferkeln selbstverständlich eingehalten werden – und dann kommen alle vier Wochen neue Enthüllungen ans Licht. Da spielt es auch keine Rolle, ob die Aufnahmen schon einige Monate alt sind. Unser Vertrauen in die Aussagen der handelnden Personen ist endgültig gebrochen“, so die Abgeordneten. „Aus den Antworten der Landesregierung auf zwei Kleine Anfragen der grünen Landtagsfraktion geht hervor, dass jedes siebte in Thüringen geborene Ferkel schon während der Aufzucht stirbt. Damit billiges Fleisch auf den Markt kommt, wird in Kauf genommen, dass in Thüringen 14 Prozent aller geborenen Ferkel – fast 300 000 pro Jahr – in den ersten Lebenswochen sterben“, kritisiert Babett Pfefferlein unter Verweis auf eine eigene Hochrechnung. „Das Problem steckt im System der Massentierhaltung“, so die Grünenpolitikerin weiter. „Die Kontrollstrategien auf Landes- und Bundesebene wirken genauso wenig wie die Mechanismen der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Besonders erschüttert die Grünenpolitiker, dass hochrangige Funktionäre ihrer Verantwortung als Schweinehalter in ihren eigenen Betrieben nicht angemessen nachkommen und die Schuld dann auch noch auf ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abwälzen. „Wenn der Thüringer Bauernverbandspräsident Gumpert vollmundig auf der Eröffnungsfeier der Grünen Tage Thüringen sagt, dass sich angesichts der Flüchtlingsproblematik niemand über ein paar abgeschnittene Schweineschwänze aufregen solle, ist es nicht verwunderlich, wenn die Glaubwürdigkeit der Branche in Sachen Tierwohl massiv leidet. Zudem zeigt dies deutlich die fehlende Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung mit diesem Thema“, erläutert Olaf Müller. „Als wesentliche Ursache für die oft unhaltbaren Zustände in der industriellen Tierhaltung sehen wir genau diese Einstellung der führenden Personen, die darauf aufbauenden Haltungsbedingungen sowie die Zucht hin zu möglichst vielen Ferkeln pro Sau. Wir Grüne werden nicht müde, den zwingend notwendigen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft immer wieder konsequent einzufordern“, so Müller abschließend.

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